Die meisten Marketingstrategien sterben nicht, weil sie falsch sind.
Sie sterben, weil sie nur ein Deck sind.
60 Folien. 12 Meetings. 3 Steering Committees. 0 Konsequenzen.
Wenn Strategie keine Entscheidungen erzwingt, ist sie nicht Strategie. Sie ist Deko.
Was ist Marketingstrategie?
Marketingstrategie ist ein System aus Entscheidungen, das festlegt, für wen du welchen Wert lieferst, wie du ihn in den Markt bringst, woran du Erfolg misst – und wie du sicherstellst, dass es wirklich passiert.
Das ist der Unterschied zwischen „Wir sollten…“ und „Wir machen…“.
Warum Decks scheitern (und Teams dann improvisieren)
Wenn Strategie nicht als System gebaut ist, passiert fast immer das Gleiche:
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Aktivität ersetzt Richtung. Kampagnen laufen, aber niemand kann erklären, warum genau diese.
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Jeder optimiert lokal. Brand will Reichweite, Performance will Leads, Sales will „bessere“ Leads, Produkt will Features pushen.
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Tools werden zu Trostpflastern. Noch ein MarTech-Tool, noch ein AI-Tool, noch ein Dashboard – aber keine gemeinsame Logik.
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Du bekommst Output, aber keinen Impact. Viel Content, wenig Wirkung.
Das Ergebnis wirkt dann wie ein Orchester ohne Partitur: Alle spielen – aber nicht zusammen.
Strategie als Operating System: 7 Layer, die wirklich tragen
Wenn du willst, dass Strategie umgesetzt wird, baust du sie wie ein Betriebssystem. Mit klaren Modulen, die zusammenarbeiten.
1) North Star + Constraints (der Rahmen)
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Was ist unser Wachstumsziel (und bis wann)?
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Welche Constraints akzeptieren wir (Budget, Kapazität, Regulatorik, Brand Safety)?
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Welche Trade-offs treffen wir bewusst?
Strategie beginnt dort, wo „alles“ nicht mehr möglich ist.
2) ICP & Jobs-to-be-Done (für wen genau?)
„Zielgruppe“ ist zu weich. Du brauchst:
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ICP (Ideal Customer Profile) bzw. die wertvollsten Segmente
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Den Job, den sie erledigen wollen (nicht nur demografische Daten)
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Widerstände: warum sie nicht kaufen / wechseln / bleiben
Wenn du das nicht präzise hast, baust du Kommunikation für „alle“ – und landest bei „niemand“.
3) Value Proposition (der Wert, der hängen bleibt)
Eine gute Value Proposition ist kein Claim. Sie ist ein Versprechen, das man prüfen kann:
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Welchen Outcome liefere ich?
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Was ist der Beweis (Proof)?
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Was kostet es den Kunden an Aufwand / Risiko?
Pro-Tipp: Wenn dein Value Statement nicht in Sales-Calls überlebt, ist es Marketing-Poesie.
4) Messaging Architecture (die Sprache, die skaliert)
Hier entsteht die Übersetzung:
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Core Message (1 Satz)
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3–5 Proof Points
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Do/Don’t der Tonalität
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Narratives je Segment (B2B ≠ B2C)
Das ist der Teil, der dafür sorgt, dass Teams nicht „frei interpretieren“.
5) Go-to-Market & Channel Model (wie es in den Markt kommt)
Nicht „wir machen LinkedIn“. Sondern:
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Rolle je Kanal (Awareness, Consideration, Conversion, Retention)
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Format-Strategie (welche Content-Formate gewinnen?)
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Angebotslogik (welche Angebote bewegen welche Segmente?)
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Sales/Marketing Handshake (MQL/SQL Definitionen, SLAs)
Das ist die Brücke zwischen „Strategie“ und „Woche 38“.
6) Operating Model & Governance (damit es passiert)
Hier wird’s unromantisch. Und genau deshalb wirksam:
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Verantwortlichkeiten (RACI / „Wer entscheidet was?“)
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Cadence: Weekly Performance, Monthly Learning, Quarterly Strategy Review
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Briefing-Standards + Quality Gates
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Einfache Priorisierung (z. B. ICE/RICE)
Strategie ohne Governance ist wie Navigation ohne Kompass: hübsch, aber nutzlos.
7) Measurement System: KPIs & OKRs (Impact statt Vanity)
Du brauchst 3 Ebenen:
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North Star Metric (1)
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Business KPIs (3–5)
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Operational KPIs pro Kanal/Format (wenige, aber sauber)
Wenn alles KPI ist, ist nichts KPI.
Das 1-Page-Strategie-Template (kopierbar)
Wenn du nur eine Seite behältst, dann diese:
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North Star & Ziel (Datum + Zahl)
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ICP / Segmente (Top 2–3)
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Value Proposition (Outcome + Proof)
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Positionierung (gegen wen, warum wir)
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Messaging (Core + Proof Points)
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GTM (Kanäle + Rolle + Formate)
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Operating Model (Cadence + Verantwortlichkeiten)
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KPIs/OKRs (North Star + 3–5 KPIs)
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Top 5 Initiativen (90 Tage)
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Risiken/Assumptions (was muss wahr sein?)
Das ist Strategie, die man führen kann.
Wo AI & MarTech wirklich reinpassen (und wo nicht)
AI ist kein Strategie-Ersatz. AI ist ein Leverage-Tool.
Nutze AI/MarTech dort, wo es skaliert:
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Research & Insights (schneller verstehen)
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Content Ops (schneller produzieren – mit Quality Gates)
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CRM/Retention (personalisieren mit System)
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Analytics (signifikante Muster statt Reporting-Friedhof)
Nicht nutzen solltest du AI, um fehlende Strategie zu überdecken. Wenn du nicht weißt, was du sagen willst, hilft dir AI nur dabei, es schneller nicht zu wissen.
Selbsttest: Hast du Strategie oder nur Aktivität?
Wenn du 5× „Ja“ sagen kannst, bist du gut:
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Wir können in einem Satz erklären, für wen wir da sind und warum wir gewinnen.
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Wir haben Trade-offs entschieden (z. B. Segment A vor B).
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Jede Aktivität lässt sich auf eine Initiative und ein KPI zurückführen.
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Wir haben ein Operating Model (Cadence, Verantwortlichkeiten, Quality Gates).
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Wir lernen systematisch (Monthly Learning Review), nicht nur „reporten“.
Long Story Short
Marketingstrategie ist kein Dokument.
Sie ist ein Betriebssystem für Entscheidungen.
Wenn du sie so baust, passiert etwas Magisches:
Teams hören auf zu improvisieren – und fangen an zu liefern.
FAQ:
1) Was ist der Unterschied zwischen Marketingstrategie und Marketingplan?
Strategie entscheidet was und warum (Zielgruppen, Wertversprechen, Trade-offs). Der Plan organisiert wann und wie (Maßnahmen, Timing, Ressourcen).
2) Wie viele KPIs brauche ich?
Wenige. 1 North Star, 3–5 Business-KPIs, dazu operative KPIs pro Kanal/Format.
3) Wie lange dauert es, eine Marketingstrategie zu entwickeln?
Eine umsetzbare Basis kann in 2–4 Wochen stehen, wenn Datenzugang und Stakeholder verfügbar sind. Der Rest ist Iteration im Betrieb.
4) Brauche ich MarTech, um eine Strategie umzusetzen?
Nein. Aber ohne Prozesse/Governance wird MarTech zum Tool-Zoo. Erst das Operating Model, dann der Stack.
5) Wo starte ich, wenn alles gleichzeitig brennt?
Mit 1-Page-Strategie + 90-Tage-Fokusliste. Erst Richtung, dann Tempo.